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Siddhartha. Eine indische Dichtung
Empfohlen von Jessica Plaumann, Projektleiterin Emtrex Group.

Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Siddhartha OT Siddhartha. Eine indische DichtungOA 1922 Form Erzählung Epoche Moderne Hermann Hesses Auseinandersetzung mit der indischen Philosophie und Religion spiegelt sich im Siddhartha wider. Die stark stilisierte Geschichte eines indischen Brahmanensohns trägt autobiografische Züge, was u. a. in der Ablehnung dogmatischer Lehren deutlich wird. Inhalt: Die Erzählung schildert den Weg Siddharthas, der zusammen mit seinem Freund Govinda sein Elternhaus und seine Heimat auf der Suche nach Erkenntnis verlässt. Bei den besitzlos lebenden Samanas hoffen sie, diese als asketische Büßer in der Überwindung des Ich und durch die Verachtung der irdischen Welt zu finden. Doch vergeblich, und so führt der Weg die beiden Freunde weiter zu Gautama Buddha, dem Erhabenen. Während Govinda zum Jünger Buddhas wird, findet Siddharta keine Erfüllung in dessen Lehre. Durch ein ausschweifendes weltliches Leben hofft er seinem Ziel näher zu kommen. Die Kurtisane Kamala führt ihn in die Liebeskunst ein, der reiche Kaufmann Kamaswami verhilft ihm zu Geld und Macht. Nach Jahren fühlt sich Siddhartha leer und lebensmüde. Er verlässt Kamala und sucht Ruhe beim Fährmann Vasudeva. Siddhartha lernt von den Stimmen des Flusses das Geheimnis des ewigen Wandels begreifen und erkennt die Einheit, die aus der Vielfalt erwächst. Bei einer letzten Begegnung mit seinem Freund Siddhartha sieht Govinda in das Gesicht eines Heiligen, der wie Buddha die Vollendung erlangt hat. Aufbau: Die Erzählung gliedert sich in zwei Teile und beschreibt chronologisch Siddharthas zweistufigen Läuterungsprozess. Erst als er die Phasen der Suche und Verzweiflung überwunden hat, gelangt er zu jener Weisheit, die über allen Dogmen und Lehren steht. Wirkung: Siddhartha gilt als meistgelesenes Werk des 20. Jahrhunderts und wurde bis heute weltweit in einer zweistelligen Millionenauflage gedruckt. Das Werk wurde besonders in den 1960er Jahren zum Kultbuch der von der fernöstlichen Kultur und Religion inspirierten jungen Generation.
Kurzbeschreibung "Siddhartha. Eine indische Dichtung"
Siddhartha, die weltberhmte Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus familirer und gesellschaftlicher Fremdbestimmung zu einem selbstndigen Leben, zeigt, da Erkenntnis nicht aus Lehren zu vermitteln ist, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann. Hermann Hesse erzhlt die fiktive Lebensgeschichte Buddhas - Siddhartha ist sein Vorname - und ergrndet, was allen Konfessionen und menschlichen Formen der Fr÷mmigkeit gemeinsam ist, was ber allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem einzelnen geglaubt werden kann. Wie authentisch diese indische Dichtung buddhistisches und taoistisches Gedankengut assimiliert hat, zeigt sich nicht nur stilistisch in der rhythmischen Diktion der Reden Buddhas, sondern auch wirkungsgeschichtlich durch die millionenfache Verbreitung, die das Buch in den asiatischen Lndern gefunden hat.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Hesse, Hermann dt. Schriftsteller *2.7.1877 Calw (Württemberg) 9.8.1962 Montagnola (Tessin) Siddhartha, 1922 Der Steppenwolf, 1927 Das Glasperlenspiel, 1943 Hermann Hesse gehört zu den meistgelesenen und meistübersetzten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Sein Werk, das als eine einzige Autobiografie gelesen werden kann, besteht aus "Seelenbiografien", in denen sich fernöstliches Gedankengut mit Elementen der Psychoanalyse verbindet, und führt den Leser auf einen "Weg nach innen". Friedensliebe, Protest gegen alles Totalitäre und die Verteidigung des Individuums bieten dabei reiches Identifikationspotenzial. Aufgewachsen in einem weltoffenen Elternhaus (der Vater war Missionar in Indien), durchlief Hesse eine vom schwäbischen Pietismus geprägte Schulbildung: Er besuchte die Lateinschule in Göppingen und legte das schwäbische Landesexamen ab; aus dem evangelisch-theologischen Seminar im Kloster Maulbronn flüchtete er. Nach einer gescheiterten Buchhändler- und einer Mechanikerlehre lebte er als Buchhändler und Antiquar in Basel, schließlich als freier Schriftsteller am Bodensee. 1919 siedelte er nach Montagnola ins Tessin über. 1946 erhielt Hesse den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk, das die Ideale des Humanismus und die Kunst des hohen Stils offenbart. Biografien: R. Freedman, Hermann Hesse, 1991; B.Zeller, Hermann Hesse (rm 50085)
Auszug
Der Sohn des Brahmanen Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flußufers bei den Booten, im Schatten des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddhartha auf, der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, seinem Freunde, dem Brahmanensohn. Sonne bräunte seine lichten Schultern am Flußufer, beim Bade, bei den heiligen Waschungen, bei den heiligen Opfern. Schatten floß in seine schwarzen Augen im Mangohain bei den Knabenspielen, beim Gesang der Mutter, bei den heiligen Opfern, bei den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, beim Gespräch der Weisen. Lange schon nahm Siddhartha am Gespräch der Weisen teil, übte sich mit Govinda im Redekampf, übte sich mit Govinda in der Kunst der Betrachtung, im Dienst der Versenkung. Schon verstand er, lautlos das Om zu sprechen, das Wort der Worte, es lautlos in sich hinein zu sprechen mit dem Einhauch, es lautlos aus sich heraus zu sprechen mit dem Aushauch, mit gesammelter Seele, die Stirn umgeben vom Glanz des klardenkenden Geistes. Schon verstand er, im Innern seines Wesens Atman zu wissen, unzerstörbar, eins mit dem Weltall. Freude sprang in seines Vaters Herzen über den Sohn, den Gelehrigen, den Wissensdurstigen, einen großen Weisen und Priester sah er in ihm heranwachsen, einen Fürsten unter den Brahmanen. Wonne sprang in seiner Mutter Brust, wenn sie ihn sah, wenn sie ihn schreiten, wenn sie ihn niedersetzen und aufstehen sah, Siddhartha, den Starken, den Schönen, den auf schlanken Beinen Schreitenden, den mit vollkommenem Anstand sie Begrüßenden.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: .
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