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Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit.

Empfohlen von Jessica Plaumann, Projektleiterin Emtrex Group.

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Neue Zürcher Zeitung
Der Himmel in der Hölle
Erich Hackl erzählt von einer Hochzeit in Auschwitz
Der österreichische Schriftsteller Erich Hackl erzählt eine «Begebenheit», ein historisches Märchen, eine unwahrscheinlich wahre Geschichte. Am 18. März 1944 um 11 Uhr wurden auf dem Standesamt in Auschwitz Häftling Nr. 25173, der Österreicher Rudi Friemel, und die Spanierin Margarita Ferrer getraut, die für die kurze Zeremonie mit ihrem gemeinsamen Sohn Edi, dem Schwager und dem Schwiegervater das Lager betreten durfte. Eine Geschichte der Lebensfreude in der Fabrik des Todes – eine weitere Enttabuisierung des Holocaust? Die Nazis haben die Hochzeit so festlich gestaltet, wie sie nur konnten: Anzug, Schuhe und Krawatte für Friemel aus der Kleiderkammer der SS, ob Musik gemacht wurde, ist nicht sicher, aber im Lagerbordell war für die Hochzeitsnacht ein Zimmer reserviert. Für die Nazis eine Vorzeigehochzeit: «Bei uns in Auschwitz kann man sogar heiraten!» Dem verweigert sich Hackl. Seine Geschichte macht das KZ weder menschlicher noch grauenhafter, als es war. Die Hochzeit bleibt ein Fremdkörper, der das normale Grauen verdeutlicht: «In der Hölle ist alles möglich, auch der Himmel», sagt ein Mithäftling Friemels. Kein Grund zur Hoffnung also, kein «La vita è bella». Wenn die Geschichte dennoch einen Grund zur Freude enthält, dann weil wir uns Rudi Friemel wie Camus' Sisyphus als glücklichen Rebellen vorstellen müssen. Und durchaus nicht als einen Heiligen. Weder seine private Geschichte noch seine politische gelingt ihm: Da sind eine gescheiterte erste Ehe, ein Polizistenmord, eine unverständliche Flucht zurück in die Fänge der Nazis nach seinem Kampf auf der Seite der internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Nur das Herz trägt Rudi unverrückbar auf dem rechten, und das heisst: auf dem linken Fleck. Für viele bleibt der Charmeur ein Held, aber Hackl macht in seinem Buch keinen aus ihm. Und ob Marga eine Revolutionärin war – auch das darf gefragt werden. Ihre redselige Schwester wird nicht müde, sie als Schwächling darzustellen, auch wenn Sohn Edi später dann doch von ihren Aktivitäten gegen das Franco-Regime zu berichten weiss. Rudi wird wegen der Organisation eines Fluchtversuchs gehenkt, post festum buchstäblich: im Hochzeitshemd und am 30. Dezember 1944, vier Monate vor Kriegsende. Hinter dem Galgen steht der Christbaum, «die elektrischen Kerzen brannten». Marga ist im französischen Créteil begraben: «Margarita Ferrer, 1916–1987». Der Grabstein weiss nichts von ihrer Geschichte, das Leben ging weiter. Hackl stützt sich auf Dokumente, aber noch mehr auf Erinnerungen, und er verzichtet ganz darauf, diese zu werten. Entscheidend ist überhaupt alles, was er nicht aus der Geschichte macht: keine «wahre Geschichte», aber auch keine Burleske. Die Entdramatisierung erreicht er anders: dadurch, dass er sich als Erzähler zurücknimmt. Er stellt nicht vor, er macht vorstellbar. Dadurch wird seine Geschichte wahrscheinlich, das ist weit mehr als wahr. Sein Buch ist im Grunde ein Hörspiel: Die Stimmen – Margaritas, der Schwägerin Marina, des Sohnes Norbert aus erster Ehe und seines Halbbruders Edi, von Spanienkämpfern und Mithäftlingen in Auschwitz – bürgen für das, was sie sagen. Was sie äussern, sind Vermutungen. Könnte sein, dass alles ganz anders war. Die Kritik ist uns aufgegeben. Dazu müssen wir die Stimmen für uns sichtbar machen. Die Geschichten der Erzähler rücken ins Zentrum, aus dem Rudi und Margarita verschwinden dürfen in die Vergessenheit, die ihre Geschichte schützt. Sie sind dennoch da, sie sind miterzählt in den Geschichten der andern, die sich so als Mitmenschen erweisen. Rudi Friemels und Margarita Ferrers Geschichte wird, ohne dass sie das Private verliert, die Geschichte aller. Das ist Erich Hackls eigener, ebenso poetischer wie politischer Widerstand gegen die Vernichtung von Menschen durch Menschen. Samuel Moser

Kurzbeschreibung "Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit."
Die Geschichte von zweien, die sich lieben, durch die politischen Ereignisse immer wieder getrennt werden und dann diese Liebe endlich legalisieren dürfen - unter den denkbar widrigsten Umständen: Für einen Tag und eine Nacht darf die Spanierin Marga Ferrer das KZ Auschwitz betreten, um mit dem Häftling Rudi Friemel den Bund fürs Leben einzugehen.
Ein Buch in Stimmen erzählt, über Hoffnung und Verzweiflung, über die Niederlagen eines halben Jahrhunderts.

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